Entstehung

Schnitte durch den Dinkelberg

Übersicht Dinkelberg mitgeologischen Schnitten

Bei der Anhebung des Schwarzwaldes und gleichzeitiger Absenkung des Rheintalgraben zerbrachen die Sedimentschichten des Dinkelbergs in viele Teile. Eingezeichnet sind die unten gezeigten Schnitte

Schnitt von West nach Ost

Schnitt von West nach Ost
Schön kann man die keilförmigen Grabenbrüche sehen. Das Gestein sackte durch den freigeworden Platz in den Brüchen ab, so dass diese Schichten hier tiefer liegen als daneben.

Schnitt von NNW nach SSO

Schnitt von NNW nach SSO
In diesen Gräben sind noch Reste einer Keuperschicht erhalten. Sonst ist diese fast überall am Dinkelberg abgetragen. Diese Schicht ist wasserundurchlässig. Hier in diesen Keupergräben fließen die wenigen Bäche auf dem Dinkelberg. Verläßt der Bach die Keuperschicht und trifft auf den verkarsteten Muschelkalk kann er in einer Bachschwinde in den Untergrund abtauchen. Buntsandstein und  Rotliegendes wie bei Degerfelden und Maulburg sind ebenfalls wasser- undurchlässig, deshalb hat es hier ebenfalls Bäche. Allerdings meist nur an den Rändern des Dinkelbergs, da diese Schichten tiefer liegen als der Muschelkalk.

Periode Präkambrium bis Karbon

Ära: Proterozoikum bis Palaozoikum (Erdfrühzeit bis Erdaltertum)

In der Erdfrühzeit liegt Europa als Teil des Großkontinents Gondwana auf der Südhalbkugel der Erde. Im tieferen Untergrund entsteht das kristalline Grundgebirge (Urgestein) Ältere magmatische Gesteine und Sedimente werden tief in die Erdkruste versenkt (bis 20km und mehr), meist im Zusammenhang mit Kollision von Kontinentalplatten und Gebirgsbildungsprozessen. Unter den in der Tiefe herrschen Temperaturen von 700°C und mehr und Drücken von 15-30 t/cm³ wandeln sich viele Minerale um. Unter teilweise Mobilisierung (Metamorphose) bilden sich völlig neue Gesteine, die Gneise und ihre Verwandten.
Im Karbon werden durch weltweite Gebirgsbildungsvorgänge alle Kontinente zu einem Großkontinent (zusammengeschweißt) (Pangäa), der bis in die Jurazeit Bestand hat. Im Oberkarbon herrscht tropisches Klima, weil Europa am Equator liegt. Meereküsten sind weltweit zum Teil von Sumpfwäldern gesäumt, die zur Bildung von Steinkohle führt.

Gesteine der Erdfrühzeit und des Erdaltertums stehen am Dinkelberg nicht an.

Vorkommen Alter
Karbon 358 Mio. - 296 Mio. Jahren
Devon 418 Mio. - 358 Mio. Jahren
Silur 443 Mio. - 418 Mio. Jahren
Ordovizium 495 Mio. - 443 Mio. Jahren
Kambrium 545 Mio. - 495 Mio. Jahren
Präkambrium 4600 Mio. - 545 Mio. Jahren

Periode Perm (Rotliegendes)

Ära: Paläozoikum (Erdaltertum)
Entstehung vor 296 Mio. Jahren bis 251 Mio. Jahren
Mächtigkeit 0 m - 200 m

Schmale Senken (Tröge) nehmen weiterhin, jetzt jedoch bei wüstemhaftem Klima, den Abtragungsschutt des im Unterkarbon entstandenen Gebirges auf und werden dadurch mit mächtigen Schichten aus roten Konglomeraten, Sandsteinen, Arkosen und Tonsteinen verfüllt (Rotliegendes).
Im Oberperm dringt das Meer von Norden her vorübergehend bis in den Kraichgau vor und hinterlässt Dolomit- und Tonsteine (Zechstein). Auf dem umliegenden Festland entstehen Sandsteine und Arkosen bei weiterhin heißen und trockenem Klima.
Gesteine des Rotliegenden treten - tektonisch bedingt - in kleineren Schollen am nördlichen und südlichen Rand des Dinkelbergs auf. Vorkommen befinden sich südöstlich von Maulburg. Gut aufgeschlossen finden wir sie im Ortskern von Degerfelden. Bei Warmbach sind sie mit Kies überdeckt, aber am Rheinufer wieder zu sehen.

Periode Trias Buntsandstein

Ära: Mesozoikum (Erdmittelalter)
Entstehung vor 251 Mio. Jahren bis 243 Mio. Jahren
Mächtigkeit 50 m - 500 m

Der südwestdeutsche Teil des großen, sogenannten germanischen Festland- beckens wird mit Abtragungsmaterial, meisst Sanden, aus Hochgebieten im Westen und Osten gefüllt. Vor allem Flüsse und Schichtfluten transportieren das Material generell nach Nordosten. Auch  Seen und Winde (Dünen) wirken dabei mit. Es entstehen mächtige Schichtfolgen von Sandsteinen und darin eingeschalteten Bänken von Konglomeraten und Tonsteinen. Bunte Gesteinsfarben, überwiegend rot (durch erhöhtem Eisengehalt) , aber auch braun, gelb und grün, gaben dem Schichtenpaket seinen Namen. Das Klima war warm, zeitweise trocken.
Der Buntsandstein tritt am Fuße des Dinkelbergs südlich von Schopfheim, im Ortskern von Inzlingen, nördlich von Herten, in Degerfelden am Hirzeneck, am Eichberg und am Nettenberg in Erscheinung. Entlang des Rheinufers ist er auch bei Herten und Warmbach sichtbar.

Periode Trias Muschelkalk

Ära: Mesozoikum (Erdmittelalter)
Entstehung vor 243 Mio. Jahren bis 235 Mio. Jahren
Mächtigkeit 0 m - 275 m

Das Meer überflutet fast ganz Südwestdeutschland, bleibt aber ein flaches Randmeer des Ozeans. Aus seinen Schlammablagerungen enstehen Kalk- und Dolomitsteine, sowie Ton- und Mergelsteine. Bei heißen und trockenem Klima verdunstet das Meerwasser in zeitweise abgeschnürten Meeresbuchten, so dass schließlich aus dem hochkonzentrierten Wasser gelöste Salze ausfallen. Außer Schichten aus Gips- und durch Umwandlung entstandenen Anhydritstein bilden sich auch mehrmals Salzlager. Der Name Muschelkalk weist auf die in manchen Schichten angehäuften unzähligen "Muschel"-Schalen und anderen Versteinerungen (z.B. Ceratiten und Seelilien) hin. Der Muschelkalk bildet das Hauptgestein des Dinkelbergs.

Periode Trias Keuper

Ära: Mesozoikum (Erdmittelalter)
Entstehung vor 235 Mio. Jahren bis 200 Mio. Jahren
Mächtigkeit  0 m - 130 m

Das Meer verflacht, in seinem Ablagerungsraum entstehen Ton- und Mergelsteine mit Dolomitbänken, durch Eindampfen von Lagunen bei warmen und trockenem Klima auch Gipslager (Gipskeuper). Danach zieht sich das Meer aus Südwestdeutschland zurück und hinterläßt ein weites, flaches Tiefland mit Seen und Flüssen, die Ablagerungsmaterial aus den umliegenden Hochgebieten ablagern. Das Klima ist semiarid mit episodischen heftigen Regengüssen. Erstmals treten Schilkröten und Dinosaurier in Erscheinung, auch Schachtelhalme, Farne und Nadelhölzer zeugen vom damaligen Leben. Gegen Ende der Zeit des Keupers dringt das Meer von Norden her wieder ein, Flußsande und Tone werden im flachen Wasser wieder abgelagert und das Klima wird subtropisch. Die ersten, kleinen Säugetiere entwickeln sich auf dem verbliebenen Land."
Die Gesteine des Keupers sind auf der Dinkelbergoberfläche am zweithäufigsten vertreten. Sie sind vorallem als Lettenkeuperformation im mittleren Teil des Dinkelbergs, in sogenannten Dinkelberggräben anzuteffen. Die Keuperschicht ist wasserundurchlässig, deshalb wurde auch die Deponie Lachengraben in Schwörstadt auf ihr angelegt.

Periode Jura

Ära: Mesozoikum (Erdmittelalter)
Gruppe: Unterjura (Schwarzjura), früher Lias und Mitteljura (Braunjura), früher Dogger
Entstehung Unterjura vor 200 Mio. bis 170 Mio. Jahren
Entstehung Mitteljura vor 170 Mio. bis 157 Mio. Jahren
Mächtigkeit 0 m - 200 m, die Schichten des Oberjura sind abgetragen.

Im Unterjura und Mitteljura ist Südwestdeutschland bei suptropischem Klima vollständig vom Meer überflutet. Tone, Megel, Kalke und Oolithe, untergeordnet auch Sande, werden im Rhythmus von Meeresspiegelschwankungen abgelagert. Die vorwiegend graue bis schwarze Farbe des Gesteins wird verursacht durch den Gehalt an Pyrit und Bitumen. Es ist ein Zeichen für den Reichtum des damaligen Meeres an großen und kleinen Lebewesen vom Plankton über Fische, Belemniten und Ammoniten bis zu den Sauriern.
Die Gesteine des Unterjura haben sich nur noch als kleine Reste in Keilgräben im mittleren Dinkelbergbereich erhalten, wo sie vor Erosion geschützter waren.
Die Gesteine des Mitteljuras sind nur am Westrand des Dinkelbergs (Rheintalflexurzone), bei Lörrach am Salzert und nördlich von Grenzach in geringen Mengen erhalten. Die früher über 100m mächtigen Schichten sowie die ebenfalls über 100m mächtigen Schichten des Oberjura (früher Malm)sind durch Erosion abgetragen.

Periode Kreide

Ära: Känozoikum (Erdneuzeit)
Entstehung vor 142 Mio. - 65 Mio. Jahren
Mächtigkeit 0 m, die Kreideschichten sind vollständig abgetragen

Ganz Süddeutschland gehört in der Unterkreide zu einer großen Insel, die nur wenig über den Meeresspiegel herausgehoben ist. Bei suptropischem Klima herrschen die Kräfte der Verwitterung (vor allem Kalklösung) und Abtragung. Sedimente aus der Kreidezeit sind zwar nicht überliefert, ebensowenig wie Versteinerungen, etwa von den weltweit herrschenden Saurieren und den erstmals auftretenden Blütenpflanzen. Unter dem Meeresspiegel finden die ersten Phasen der Alpenfaltung statt, die auf die beginnende Kollision der afrikanischen mit der europäischen Kontinentalplatte zurückgeht, was wiederum mit der Atlantiköffnung zusammenhängt.
In der Oberkreide breitet sich das Meer wieder aus und die süddeutsche Insel verkleinert sich. In Mittelamerika schlägt ein grosser Asteroid einen riesigen Krater in die Erdkruste und trägt am Ende der Kreidezeit zu einem weltweiten Artenster- ben bei, dem auch die Saurier zum Opfer fallen.
In den 77 Mio. Jahren der Kreidezeit war der Dinkelberg wie ganz Süddeutschland Abtragungsgebiet und es haben sich keine Sedimente erhalten.

Periode Tertiär

Ära: Känozoikum (Erdneuzeit)
Entstehung vor 65 Mio. - 2,6 Mio. Jahren
Mächtigkeit 0 m - 30m

Zwischen dem Nordmeer und dem zunächst noch im heutigen Alpenraum verbleibendem Meer erstreckt sich ein breiter Festlandgürtel. Fauna und Flora gedeihen dort unter anfangs tropischem, später allmählich abkühlendem Klima, die Säugetiere entfalten sich.
Die fortschreitende Kollision von Afrika mit Europa führt auch zur Entstehung des Oberrheingrabens, der nach und nach immer tiefer einsinkt. Seen und Flüsse bilden sich darin, zeitweise gibt es sogar eine durchgängige Meeresverbindung zwischen Süd- und Nordmeer. Innerhalb einer bis 3500m mächtigen Abfolge von Sedimenten aus Ton, Mergel, Sand und Kalk werden auch Kali- und Steinsalze abgelagert. Im Bereich des Grabens (vor allem am Kaiserstuhl), aber auch im Hegau und auf der schwäbischen Alb sind Vulkane aktiv.
Im ausgehenden Tertiär wächst der im Oberrheingraben entstandene Ur-Rhein
durch den Anschluß der Aare (vorher Quellfluss der Ur-Donau). Der quer über Ober- schwaben hinweg noch zur Donau fließende Alpenrhein schliesst sich erst im älteren Quartär dem Aare-Rhein an, wodurch der heutige Rheinlauf entsteht.
Aus der Tertiärzeit haben sich nur noch kleinere Restflächen bei Lörrach im Gebiet des Salzerts erhalten, die Melettaschichten aus der Zeit des Unteroligozäns. Die Zeit des Tertiärs ist für die landschaftliche Formung des Dinkelbergs von großer Bedeutung. Es ereignet sich die Alpen- und Jurafaltung, der Oberrheingraben entsteht, der Schwarzwaldblock wird angehoben, der Dinkelbergblock sinkt ein, der Oberrheingraben sinkt noch mehr ein und wird mit Abtragungsmaterial der umliegenden Gebirge aufgefüllt.

Periode Quartär

Ära: Känozoikum (Erdneuzeit)
Alter 2,6 Mio. Jahre bis heute

Infolge weltweiter starker Abkühlung des Klimas im Eiszeitalter (Pleistozän) vergletschern die Alpen sowie die höchsten Teile des Scharzwaldes und der Vogesen mehrfach. Die schweizerischen Alpengletscher erreichen den Rand des Südschwarzwaldes. Die Gletscher häufen Moränen auf und Schmelzwasserströme verfrachten grosse Mengen von Kies und Sand, besonders ins Alpenvorland und in den Oberrheingraben. Aus den karg bewachsenen Schotterfluren blasen Staubstürme das Feinmaterial aus und lagern es im Windschatten als Löß ab. In den nicht vom Eis bedeckten Gebieten ist der Untergrund bis auf mehrere Meter tief gefroren (Dauerfrost). Nur im Sommer taut er oberflächlich auf. Mammutherden durchstreifen die Kältesteppen und Tundrengebiete und der steinzeitliche Mensch tritt in Erscheinung. Während der zeitlich längeren weniger  kalten Phasen wachsen wieder Nadelwälder. In einigen Zeitabschnitten mit mildem Klima gedeihen sogar Laubmischwälder wie heute (z.B. mit Hainbuchen) und Bodenbildung findet statt.
Nach dem Abschmelzen des (vorerst?) letzten Vorlandgletschers der Würm-Eiszeit beginnt vor 11600 Jahren die Nacheiszeit (Holozän), die bis heute dauert. Die Flüsse graben sich in ihre Schotterterrassen wieder ein und die heutigen Talauen entstehen.
Am Südostrand des Dinkelbergs bei Karsau, Riedmatt und Schwörstadt haben die Schmelzwässer in den Eiszeiten des Quartärs Schotter abgelagert, deren Ursprung im Alpenraum zu suchen ist. Südöstlich von Schopfheim und in der Gegend von Hasel sind finden wir Schotter aus dem Schwarzwald. In den Tälern des Hochrheins und der Wiese haben sich würmeiszeitliche Niederterrassenschotter abgelagert. Lösslehme überdecken teilweise die Schotterflächen.

Diese Texte durften wir mit freundlicher Genehmigung von Herrn Schuff vom LGRB (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau) verwenden. Das Urheberrecht auf diese Texte hat das LGRB.

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